Der Erd‑Überlastungs‑Tag

Der Earth Overshoot Day markiert den Moment, an dem die Menschheit alle Ressourcen verbraucht hat, die die Erde für ein ganzes Jahr bereitstellen kann.
2026 wird dieser Tag wieder einige Tage früher stattfinden. Wir bräuchten inzwischen fast zwei Erden, um unseren Konsumhunger zu stillen.
Das ist keine Meinung. Das ist Physik.
🔙 1972: Als die Welt noch im Gleichgewicht war
1972 lag der Erdüberlastungstag noch im Dezember. Damals war die Menschheit global noch einigermaßen in Balance.
Und: Die Weltbevölkerung lag 1972 bei unter 4 Milliarden Menschen. Heute sind es über 8 Milliarden.
➡️ Die Menschheit hat sich seit Bestehen der BRD verdoppelt. ➡️ Gleichzeitig ist der Konsum pro Kopf explodiert.
Das bedeutet: Wir können heute nicht mehr so sorglos mit unserem Planeten umgehen wie vor 60 oder 80 Jahren. Die physikalischen Spielräume sind schlicht nicht mehr vorhanden.
1972 erschien auch der erste Bericht des Club of Rome: „Die Grenzen des Wachstums“. Er warnte wissenschaftlich fundiert davor, dass ein auf Überkonsum und Ausbeutung basierendes Wirtschaftssystem unweigerlich an planetare Grenzen stößt.
Wir hätten 50 Jahre Zeit gehabt, ein nachhaltiges System aufzubauen. Wir haben diese Zeit nicht genutzt.
🚗 Des Deutschen liebstes Kind: Das Auto
Wenn man verstehen will, warum wir den Earth Overshoot Day immer weiter nach vorne schieben, reicht ein Blick auf unser Lieblingsspielzeug: das Auto.
Die Metapher ist bitter, aber wahr: Das Auto ist wichtiger als die Kinder und Kindeskinder.
Denn:
- Ein moderner PKW unter 200 PS gilt vielen als „unzureichend“.
- Unter 250 km/h Höchstgeschwindigkeit „nicht zeitgemäß“.
- Die Industrie liefert längst 300 PS, 400 PS, 600 PS – und verkauft das als Fortschritt.
Und jetzt kommt der größte Denkfehler der Transformation:
Wir glauben, wir müssten nur den Motor tauschen – Verbrenner raus, 300‑kW‑E‑Antrieb rein – und schon sei das Klima gerettet.
Das ist physikalischer Unsinn.
Ein 300‑kW‑E‑SUV ist kein Fortschritt. Er ist ein technischer Dinosaurier: schwer, übermotorisiert, ressourcenfressend.
Für die Ressourcen eines solchen Fahrzeugs könnte man mindestens drei normale Autos bauen, die nur die Hälfte der Energie verbrauchen.
🔧 Übermotorisierung ist kein Fortschritt – es ist Ressourcenvernichtung
Ein PKW braucht physikalisch:
- 20–25 PS pro Person
- 100–125 PS für fünf Personen – völlig ausreichend.
Diese Werte sind nicht aus der Luft gegriffen sondern basieren auf eine Faustregel in der Landwirtschaft:
25 PS pro Pflugschar. Ein 3‑Schar-Pflug → 75 PS Traktorleistung.
Und jetzt kommt die Anekdote, die alles sagt:
1974 kaufte mein Vater den neuen VW Passat mit 90 PS. Meine Mutter schimpfte: „Warum muss das Auto so viel PS haben? Der große Traktor hatte nur 65 PS!“
Sie verstand intuitiv, was heute viele Ingenieure und Politiker verdrängen: Motorleistung ist kein Bedarf, sondern Marketing.
Wir bauen Autos, die:
- zu groß, zu schwer, zu schnell
- zu energieintensiv
- zu materialhungrig
sind, um in eine nachhaltige Zukunft zu passen.
🏛️ Politik & Lobbyismus: Der Irrweg ist kein Zufall
Wir wissen seit Jahrzehnten, was zu tun wäre. Doch statt zu handeln, wird gebremst, verwässert, zurückgedreht.
2019 verkündete Ursula von der Leyen den Green Deal – mit Elementen der fünf Kehrtwenden des Club of Rome. Heute wird er von CDU/CSU massiv bekämpft, und selbst die SPD ruft: „Wir brauchen Wachstum!“
Warum?
- Weil Lobbyismus stärker ist als Vernunft.
- Weil kurzfristige Profite wichtiger sind als langfristige Lebensgrundlagen.
- Weil „Weiter wie bisher“ bequemer ist als Verantwortung.
🔥 Das Schlusswort, das alles sagt
UN‑Generalsekretär António Guterres bringt es auf den Punkt:
„Wir bewegen uns mit Vollgas auf dem Highway in die Klimahölle.“
Wenn wir den Erd‑Überlastungs‑Tag wieder in die richtige Richtung bewegen wollen, müssen wir endlich anfangen:
- physikalisch zu denken,
- politisch zu handeln,
- und den Mut aufzubringen, das Offensichtliche zu tun.
Wir müssen nicht umkehren – das geht nicht. Wir müssen umdenken. Wir brauchen keinen kleinen Schritt, sondern den GIANT LEAP. Wir müssen uns von „Too little, too late“ verabschieden.
📝 PS: Warum „Wachstum“?
Eine schrumpfende Volkswirtschaft braucht kein Wachstum. Sie braucht Stabilität und gute Rahmenbedingungen.
Wachstum wird in Deutschland vor allem deshalb beschworen, weil CDU/CSU es in zwei Mal 16 Jahren Regierungsverantwortung (Ära Kohl und Merkel) nicht geschafft haben, das provisorische Rentensystem zu reformieren.
Die Ampel ist an der Renten-Misere sicher nicht schuld. Aber: Keine Partei in Deutschland kann sich rühmen im 21. Jahrhundert gute Politik gemacht zu haben.
Wenn man Politik nur in Legislaturperioden denkt, entstehen genau die Katastrophen, in denen wir uns heute befinden.
FA, 01.01.2026