(Stand: Januar 2026 | Reine Fakten ohne Bewertung oder Spekulation)


1. Prävalenz

  • 2–5 % der deutschen Bevölkerung leiden an PTED.
    • Hochrechnung: 1,7–4 Millionen Betroffene in Deutschland.
    • Betrifft überwiegend Menschen im erwerbsfähigen Alter.
  • Quelle: Charité (2025), Linden et al. (2009).

2. Klassifikation & Kodierung

  • Aktueller ICD-10-Code: F43.8 („Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung“).
  • ICD-11: PTED wird unter „stressassoziierte Störungen“ (Code 6B4Y) geführt.
  • Problem:
    • Kein eigener spezifischer Code für PTED.
    • Führt zu Fehldiagnosen (häufig als Depression oder Anpassungsstörung klassifiziert).
  • Quelle: Charité (2025), Linden et al. (2008).

3. Symptomprofil

  • Leitsymptome:
    • Anhaltende Verbitterung/Zorn.
    • Intrusive Erinnerungen an das auslösende Ereignis.
    • Emotionale Überreaktion bei Triggern (z. B. Erinnerungen an den Konflikt).
    • Somatische Beschwerden: Schlafstörungen, Appetitverlust, Schmerzen.
    • Phobische Symptomatik (Vermeidung von Orten/Personen, die mit dem Ereignis verbunden sind).
    • Dysphorisch-aggressive Grundstimmung.
  • Verlauf:
    • Chronifizierungstendenz, wenn der auslösende Konflikt ungelöst bleibt.
  • Quelle: Charité (2025), Diagnostische Kernkriterien.

4. Diagnostik

  • Standardisierte Instrumente:
    • PTED-Fragebogen (21 Items, Skala 0–4; Werte ab 1,6 = „erhöht“, ab 2,5 = „klinisch relevant“).
    • Berner Verbitterungs-Inventar (BVI) (18 Items, misst Verbitterung als Persönlichkeitsmerkmal).
    • Standardisiertes diagnostisches Interview.
  • Differenzialdiagnostik:
    • Abgrenzung zu Depression (keine Antriebslosigkeit, sondern Antriebsverharrung).
    • Abgrenzung zu PTBS (kein lebensbedrohliches Ereignis nötig; Auslöser sind „lebensübliche“ Ungerechtigkeiten).
  • Quelle: Linden et al. (2009), Charité (2025).

5. Auslöser

  • Typische Konflikte:
    • Beruflich: Kündigungen, Mobbing, ungerechte Bewertungen.
    • Privat: Scheidungen, Vertrauensbrüche, familiäre Konflikte.
    • Institutionell: Konflikte mit Behörden, Sozialversicherungsträgern, Gerichten (z. B. SGB-Verfahren, Rentenanträge).
  • Quelle: Charité (2025), Linden et al. (2011).

6. Gesellschaftliche Folgen

  • Psychische Belastungen in Deutschland:
    • >87 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage (2024) aufgrund psychischer Erkrankungen.
      • Frauen: >87 Mio. AU-Tage.
      • Männer: ~60 Mio. AU-Tage.
  • Jugend & Corona:
    • COPSY-Studien: Anstieg psychischer Auffälligkeiten bei Kindern/Jugendlichen von 18 % auf 29–31 % während der Pandemie.
    • Keine vollständige Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau.
  • Quelle: RKI/PMC (COPSY-Studien), Bundestag hib (2025/26).

7. Therapieansätze

  • Weisheitstherapie (Wisdom Psychotherapy):
    • Ziel: Stärkung von Weisheitskompetenzen (Empathie, Perspektivenwechsel, Serenität).
    • Evidenz:
      • Pilotstudien (2011) zeigen Potenzial.
      • RCT 2025: Trends bei Verbitterung/Depression, aber keine durchgängige Signifikanz.
    • Voraussetzung für Erfolg: Rechtsfrieden (Klärung des auslösenden Konflikts).
  • Quelle: Linden (2025), Baumann & Linden (2009).

8. Quellenverzeichnis

  • Charité (2025): Diagnostische Kernkriterien, Prävalenz, Therapieansätze.
  • Linden et al. (2009/2008/2011/2025): PTED-Skala, Differenzialdiagnostik, Weisheitstherapie, ICD-11.
  • Bundestag hib (2025/26): Arbeitsunfähigkeitstage.
  • RKI/PMC (COPSY-Studien): Psychische Belastungen bei Jugendlichen.
  • AOK Sachsen-Anhalt (2025): Aufklärung über PTED-Auslöser.