Das sogenannte ganzheitliche Fallmanagement ist kein neuer Gedanke – es wird seit Jahren diskutiert, gefordert und immer wieder versprochen. Doch bis heute wurde es nicht umgesetzt. Dabei wäre genau dieses Konzept ein entscheidender Schlüssel zur Lösung vieler struktureller Probleme im SGB-System.
Die Koordination zwischen den Sozialversicherungsträgern – insbesondere zwischen Agentur für Arbeit und Rentenversicherung – ist nicht optional, sondern absolut notwendig, um betroffene Menschen effizient und menschenwürdig zu unterstützen. Im aktuellen System jedoch verlaufen Zuständigkeiten nebeneinander her, Verantwortung wird hin- und hergeschoben und viele Betroffene verlieren sich in der Bürokratie.
Was versprochen wurde – und nicht gehalten wurde
Im Koalitionsvertrag der AMPEL-Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz wurde auf Seite 58 folgendes angekündigt:
„Wir wollen die Sozialversicherungsträger zu Kooperationsvereinbarungen verpflichten.“
Ein erster Schritt in Richtung ganzheitliches Fallmanagement! Doch: Die Maßnahme wurde während der gesamten Legislaturperiode nicht umgesetzt. Ich habe die gesamte Regierungszeit über wiederholt auf diese Lücke hingewiesen – auch über meine Heimatabgeordnete Frau Dr. Bärbel Kofler (SPD) sowie im direkten Kontakt mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
Minister Hubertus Heil antwortete mir persönlich. Er bestätigte, dass ein Gutachten in Auftrag gegeben wurde – um zu ermitteln, welche Regelungen bereits existieren. Das ist ein Armutszeugnis: Das Ministerium selbst hat den Überblick verloren. Die eigentlich geplante Maßnahme aus dem Koalitionsvertrag wurde nie verwirklicht – und das ganzheitliche Fallmanagement wurde um eine ganze Legislaturperiode verschoben.
Noch absurder: Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) selbst hat seit mindestens zehn Jahren ein umfassendes Konzept zum ganzheitlichen Fallmanagement in der Schublade. Es wird ignoriert.
Staatsversagen durch strukturelles Durcheinander
Das derzeitige System gleicht einem Apparat, in dem die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Es fehlt an Zuständigkeit, Transparenz und Zielorientierung. Ein Staat, der sich selbst nicht mehr organisieren kann, ist langfristig nicht überlebensfähig.
Die Bürokratie ist zu einem Krebsgeschwür geworden, das unser demokratisches Gemeinwesen zunehmend lähmt. Sie verschlingt Ressourcen, verhindert sinnvolle Reformen und zerstört Vertrauen. In Zeiten des digitalen Wandels ist ein solcher Rückstand nicht mehr tragbar. Wenn der Staat nicht endlich entschlossen handelt, wird er vom Wandel überrollt.
Mein Credo an dieser Stelle lautet daher:
„Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen!“
FA, 24.07.2025