(kompakt, faktenbasiert, als Nachschlage-/Linkseite; ohne Fließtext)
1) Kurzdefinition (was PTED ist)
- PTED = Posttraumatische Verbitterungsstörung: anhaltende, belastende Verbitterungsreaktion nach einem als schwerwiegend unfair/ungerecht erlebten Lebensereignis.
- Kerngedanke: nicht „Charakterschwäche“, sondern Folgereaktion auf ein nicht befriedetes Unrecht.
2) Diagnostische Kernkriterien (Kurzliste)
(Charité-Kriterien – sinngemäß verdichtet)
- Ein einmaliges, schwerwiegendes negatives Ereignis → Störung entwickelt sich unmittelbar danach.
- Ereignis wird als ungerecht/herabwürdigend erlebt.
- Verbitterung + starke Erregung bei Erinnerung/Ansprache.
- Intrusionen (wiederkehrende, aufdrängende Erinnerungen); teils „nicht vergessen wollen“.
- Alltagsfunktion beeinträchtigt, bei Ablenkung aber oft weiterhin affektfähig (kein „durchgehend abgeflacht“).
3) Klassifikation / Kodierung (warum PTED im System „unsichtbar“ bleibt)
- ICD-10: PTED ist keine eigene ICD-10-Diagnose; in der Praxis wird u. a. F43.8 („Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung“) genannt.
- ICD-11: Für „sonstige näher bezeichnete“ stressassoziierte Störungen existiert z. B. 6B4Y („Other specified disorders specifically associated with stress“).
- Hinweis (Versorgungspraxis): Auch große Versorger schreiben, PTED sei (noch) keine „offizielle“ Diagnose im ICD-10/11.
4) Messinstrument (Diagnostik-Tool)
- PTED Self-Rating Scale (PTED-Skala): 19 Items.
- Reliabilität: Cronbach’s Alpha ≈ .93, Retest (Spearman rho) ≈ .71 (Gesamtscore).
- Validität: unterscheidet klinisch eingeschätzte „pathologische Verbitterung“ signifikant.
5) Prävalenz (was belastbar ist – und was nicht)
- In einer nicht-klinischen Stichprobe: „klinisch relevante Verbitterung“ ~2,5 % in der Allgemeinbevölkerung (über PTED-Skala erhoben).
- Grobe Deutschland-Übersetzung (nur Rechenwert, keine amtliche Statistik!): 2,5 % von ~84 Mio ≈ 2,1 Mio.
- In arbeitsbezogenen Hochbelastungs-/Ungerechtigkeits-Kontexten werden deutlich höhere Raten berichtet; z. B. wird in einer Meta-Analyse „klinisch relevante PTED“ über Berufsgruppen hinweg mit ~26 % genannt (Kontext: occupational moral injury/PTED-Forschung).
6) Typische Auslöser (häufige Lebensbereiche)
- Demütigung, Vertrauensbruch, Ungerechtigkeit; privat und beruflich.
- Beispiele (Versorger-/Aufklärungsseite): Kündigung, Mobbing, Ausgrenzung, Trennung, rechtliche Streitigkeiten, Behördenentscheidungen.
7) Symptomprofil (kompakt)
- Verbitterung/Wut/Groll, Grübeln/Preoccupation, Hilflosigkeit, Trigger-Reaktivität.
- Rückzug, Schlafprobleme, Erschöpfung/Verspannungen (häufige Begleitphänomene).
8) Abgrenzung (Differenzialdiagnostik – die Schlüsselpunkte)
- Gegenüber Depression: anderer Leitaffekt (Ärger/Verbitterung); Affektmodulation kann erhalten sein.
- Gegenüber PTBS: auslösendes Ereignis eher „lebensüblich“, Leitaffekt nicht Angst.
9) Behandlung (was es gibt – ohne Heilsversprechen)
- Weisheitstherapie / CBT-orientierter Ansatz für PTED beschrieben; Fachartikel in der Praxisliteratur.
- Pilotdaten: „Wisdom psychology“ als Therapieansatz wird als vielversprechend beschrieben, mit Bedarf an weiteren RCTs.
- Klartext: Die Evidenzlage ist nicht so breit wie bei „klassischen“ Störungsbildern, u. a. weil PTED diagnostisch/klassifikatorisch randständig bleibt.
10) Quellen- & Linkverzeichnis (für Website-Menü als klickbare Liste)
Grundlagen / Kriterien
- Charité: Verbitterung & PTED (Kriterien, Einordnung).
Diagnostik
- PubMed: PTED Self-Rating Scale (2009) inkl. 2,5 %-Angabe.
- PsychArchives/ZPID: PTED-Skala (Material, Reliabilität/Validität, DOI).
Differenzialdiagnostik & Praxisbezug
- Psychotherapeutenjournal 2/2018: Weisheitstherapie, Kodierhinweis ICD-10 (F43.8), Abgrenzung.
Therapie (Studienhinweis)
- PubMed: PTED-Behandlungspilot (Wisdom/CBT-Ansatz).
ICD-11 / Kodierung
- WHO ICD-11 Portal (Referenzrahmen).
- ICD-11 Code 6B4Y (MMS, „other specified… stress“) – Nachschlage-Listing.
Versorgungsaufklärung (Beispiel)
- AOK Sachsen-Anhalt: PTED-Übersichtsseite (Ursachen, Symptome, Hinweis „nicht offiziell im ICD-10/11“).
Arbeitswelt / Ungerechtigkeit / aktuelle Forschungslinie
- Brennan et al. Kontext: moral injury & PTED, Prävalenzangaben in occupational settings.