Der Fall

Am 1. März 2026 erleide ich einen erneuten Bandscheibenvorfall im Segment L4/5 – mit Taubheit, Pelzigkeit und Kraftverlust im linken Bein. Was folgt, ist ein viermonatiger Hindernislauf durch ein System, das sich selbst blockiert.

  • Orthopäde (Landkreis Altötting): Wochen Wartezeit. Praxis hat Röntgen und Ultraschall, aber keine neurologische Diagnostik. Überweisung zum Neurologen.
  • Neurologie-Praxis (Mühldorf/Inn): Endlich Termin. Eine Medizinische Fachangestellte führt die Nervenleitmessung durch – aber nur von Oberschenkel bis Fußsohle.
    Frage: „Warum wird die Strecke zwischen LWS und Bein nicht gemessen?“
    Antwort: „Das ist nicht im Leistungskatalog vorgesehen.“
  • Ärztin: Keine Muskeleigenreflexe (MER) am linken Bein auslösbar – klassisches Zeichen für eine Nervenwurzelschädigung L5/S1. Doch statt einer vollständigen Diagnostik wird ich mit einer halbgaren Neurographie weggeschickt.

Ergebnis nach 4 Monaten:
❌ Keine klare Diagnose, ob die Taubheit/Kraftverlust tatsächlich von der L4/5-Stenose kommt.
❌ Keine Therapieempfehlung auf Basis einer vollständigen Untersuchung.
Geldverschwendung: Teure Geräte (MRT, Neurographie) werden genutzt, ohne die richtigen Fragen zu stellen.


Die Systemfehler

1. Wartezeiten als Systemfeature

  • Orthopäden/Neurologen: Wochen bis Monate auf Termine – obwohl Bandscheibenvorfälle akut sind.
  • Folge: Chronifizierung von Schmerzen durch zu späte Behandlung.

2. Diagnostik nach Schema F – nicht nach Bedarf

  • Neurographie: Gemessen wird nur die periphere Nervenleitung (Oberschenkel → Fuß).
  • Nicht gemessen: Proximale Nervenwurzeln (LWS → Bein) – obwohl das MRT eine Foramenstenose L4/5 zeigt.
  • Warum? Leistungskatalog und Abrechnung bestimmen die Untersuchung – nicht die medizinische Notwendigkeit.
  • Folge: Fehldiagnosen, unnötige Therapien oder OPs an der falschen Stelle.

3. High-Tech ohne Kontext

  • MRT und Neurographie werden eingesetzt – ohne klinische Fragestellung zu klären.
  • Frage: Wozu ein MRT, wenn die Folgeuntersuchung die Ursache nicht eingrenzt?
  • Folge: Geldverschwendung – die Kassen zahlen für unvollständige Diagnostik.

4. Fehlende Vernetzung

  • Orthopäde → Neurologe: Keine Kommunikation, kein ganzheitlicher Ansatz.
  • Folge: Der Patient muss selbst die Fäden zusammenhalten.

Forderungen

Für Patienten:

Forder eine vollständige Diagnostik ein!

  • Checkliste Neurographie/EMG bei V.a. LWS-Probleme:
    • F-Welle / H-Reflex (proximale Nervenleitung)
    • EMG der paraspinalen Muskulatur (L4/5)
    • NLG der sensiblen/motorischen Nerven von der LWS abwärts
  • Frage deinen Arzt: „Warum wird die Nervenwurzel L5/S1 nicht direkt gemessen?“

Wechsle den Arzt bei Uneinsichtigkeit!

  • Zweitmeinung in einer Universitätsklinik oder Schmerzzentrum einholen.

Dokumentiere alles!

  • Welche Untersuchungen wurden durchgeführt? Welche nicht – und warum?

Für das System:

🔹 Wartezeiten verkürzen – besonders bei akuten neurologischen Ausfällen.
🔹 Diagnostik nach medizinischer Notwendigkeit – nicht nach Abrechnungskatalog.
🔹 Vernetzung der Disziplinen – Orthopäden und Neurologen müssen zusammenarbeiten.
🔹 Transparenz für Patienten – Aufklärung, warum bestimmte Untersuchungen nicht durchgeführt werden.


Fazit

Mein Fall ist kein Einzelfall. Er zeigt ein Gesundheitswesen, das sich selbst im Weg steht: Wartezeiten, Halbgaren, Geldverschwendung und eine Diagnostik, die den Patienten im Stich lässt.
Die Frage ist nicht, ob wir uns eine bessere Medizin leisten können. Die Frage ist: Wie lange können wir es uns noch leisten, sie nicht zu haben?