Wenn ein Fluss beschließt, wieder Fluss zu sein

Sonntag, 18. Januar:

Elf Uhr Mittags, ganz SANTIAGO de LA GOMERA hält gerade den Atem an …

Neben mir ein trockenes Flussbett.
Breit, steinig, reglos.
Runde, schwere Steine lagen da, als hätten sie sich vor langer Zeit entschieden, nichts mehr zu tun.

Ich stand mit meinem Hotel ASTRA keine fünf Meter daneben auf einem Parkplatz.
Ohne Plan. Bin einfach nur zufällig hier gelandet.

Dann kam die Veränderung.
Nicht schleichend. Nicht angekündigt.

Zuerst war da ein unerklärliches Geräusch.
Ein tiefes, körperliches Rollen, das man nicht nur hört, sondern im Bauch spürt.
Dazu ein dunkles, dumpfes Grollen –
und im weiteren Verlauf zusätzlich ein helles, hartes Schlagen, als würde ein riesiger Lader mehrere Kubikmeter grober Kieselsteine auf einer Halde abkippen –
nur ohne Motor, ohne Mensch, ohne Warnsignal.
Reine Naturgewalt.

Dann kam das Bild.

Schlammig braune Wassermassen schossen unter der Brücke durch den Barranco.
Tonnen von Geschiebe gerieten in Bewegung, das gesamte Flussbett lebte auf.
Zentnerschwere Steine rollten, stießen aneinander, verschwanden und tauchten wieder auf.

Ein trockenes Flussbett wurde urplötzlich zum reißenden Fluss.

Bis eben war die ganze Bucht von PUERTO SANZIAGO tiefblau gewesen.
Ruhig und sehr entspannt.

Jetzt kam der Fluss und mündete nicht nur in das das Meer sondern flutete mit diesen braunen Wassermassen die ganze Bucht von SANTIAGO.

Die ganze Meeres-Bucht befand sich in einem BLAU-BRAUNEN Kontrast (was mich an eine besorgniserregende politische Entwicklung in in Deutschland erinnert)

Blau und Braun.
Stillstand und Bewegung.
Ordnung und Durchbruch. (oder Chaos und Zerstörung?)

Viel Menschen strömten vorbei um an diesem Spektakel teilzunehmen.
Kein Schrecken, kein Alarm.
Die INSULANER feierten förmlich dieses Fest.
Endlich Wasser. Endlich wieder ein Fluss, der fließt.

Das Geräusch war roh, rhythmisch, mächtig.
Und plötzlich hatte der Name The ROLLING STONES eine ganz neue Bedeutung.
So klingt es, wenn Steine rollen.
Nicht aus Rebellion.
Sondern als Naturgesetz.

Nach dem Unwetter kam die Sonne heraus.


Und als krönender Abschluss spannte sich ein prächtiger Regenbogen über Santiago.

So hat sich mir ein weiterer kleiner Lebenstraum erfüllt:
Die ROLLING STONES Mal live zu erleben –
wenn auch im übertragenen Sinn.
Und dieser Moment war für mich genauso wertvoll wie ein echtes Konzert.

Man muss das nicht erklären.
Man muss es nicht deuten.
Man vergisst es nicht.

Manchmal genügt es,
wenn ein Fluss einfach wieder fließt!

FA, 19.01.2026